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HausMännerFerien

Gleichstellungspreis 2003


Die Stadt Winterthur hat 1998 zum dritten Mal einen

Gleichstellungspreis

ausgeschrieben.


Das HausmännerNetz hat sich daran beteiligt.
Lesen Sie hier warum.
Von 15 Bewerbungen, wurde der Beitrag des HausmännerNetzes mit dem 2. Rang belohnt!
Gewonnen hat ein Projekt des Vereins WEFA, welches einen Kurs für Wiedereinstiegerinnen anbietet.

Von wem würden Sie
lieber Ihr Auto
reparieren lassen?

Von wem würden Sie
lieber Ihre Wohnung
putzen lassen?

...und wem würden Sie lieber Ihren Gleichstellungspreis verleihen?

...und warum?

Es mag zunächst irritieren, dass sich mit dem HausMännerNetz Winterthur ein Männerprojekt um den Winterthurer Gleichstellungspreis bewirbt. Wir tun's trotzdem und denken, es gibt ein paar gute Gründe dafür:

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Gleichstellung ist ein gemeinsames Ziel von Frauen und Männern

Um es zu erreichen, müssen Frauen volle Chancengleichheit in der Erwerbsarbeit erhalten und Männer ihren Anteil an der Familienarbeit übernehmen. Das sind zwei Forderungen, die sich gegenseitig bedingen und ergänzen. Viele Hausmänner verstehen sich als Mitkämpfer der Frauen für die Sache der Gleichstellung. Die Gleichung Gleichstellung = Frauenförderung muss differenziert werden: Die vielen Frauen und die wenigen Männer, die Gleichstellung zu leben versuchen, müssen gefördert werden, damit sich die wenigen Frauen und die vielen Männer, die das patriarchale System nicht in Frage stellen, zum Denken und Handeln bewegen können.

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Berufsfrauen und Hausmänner brauchen Unterstützung

Frauen werden in der Berufswelt nach wie vor behindert: Die Arbeitsbedingungen sind in Frauenberufen klar schlechter, und in einflussreichen Kaderstellen sind Frauen weiterhin krass untervertreten. Neben strukturellen Veränderungen brauchen Berufsfrauen aber auch Unterstützung auf der individuellen Ebene: Sie müssen überdurchschnittlich stark, kompetent und engagiert sein, um von ihren männlichen Kollegen anerkannt zu werden. Auch Hausmänner bewegen sich in einer fremden (Frauen-)Welt und müssen sich in einer Rolle bewähren, auf die sie nicht vorbereitet sind. Um ihr Selbstvertrauen zu stärken, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ihr Engagement aufrechtzuerhalten sind auch sie auf Unterstützung angewiesen.

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Gleichstellung braucht Väter, die wollen, was sie sollen

Das partnerschaftliche Familienmodell ist ein sehr grundlegender Lösungsansatz, der die berufliche Chancen der Mütter massiv und nachhaltig verbessert, Doppelbelastung (Waschküche statt Kino) verhindert und die Bildung von Teilzeitstellen unterstützt. Es ist realisierbar, wenn die Väter ihre Arbeitspensen zugunsten der Familienarbeit reduzieren. Dieser Entscheid sollte nicht nur auf Druck der Frauen, sondern auch aus eigener Überzeugung getroffen werden. Was genau die Familienarbeit für Männer lebenswert macht, das können die Hausmänner nur selber herausfinden.

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Die europäische Gleichstellungsdebatte braucht Winterthur

1997 wurde die Frage nach dem Beitrag der Männer zur Gleichstellung gleich zweimal prominent diskutiert: Im Juni an einem Seminar des Europarates in Strasbourg und im November an einer EU-Ministerkonferenz in Istanbul. Beide Gremien sind sich einig, dass es zur weiteren Umsetzung des Gleichstellungspostulates dringend der aktiven Beteiligung der Männer bedarf. In Winterthur gibt es mit dem HausMännerNetz schon seit Jahren ein Projekt, das den Forderungskatalogen von Strasbourg und Istanbul entspricht und in vielen Punkten über sie hinausweist.

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Das HausMännerNetz ist ein wichtiges Projekt

Die ersten Knoten des HausMännerNetzes wurden 1992 von zwei Vätern mit zusammen drei Kindern geknüpft. Inzwischen hat es sich stark erweitert: Im März 1998 sind 84 Menschen (davon 79 in der Stadt Winterthur) direkt oder indirekt mit dem Netz verbunden, das sind:

  • 21 Berufsfrauen (davon 18 mit Berufspensen um 50%, drei mit 100%)
  • 41 Kinder, die in partnerschaftlichen Familien aufwachsen (22 Mädchen, 19 Knaben)
  • 21 Hausmänner (davon 18 mit Familienpensen um 50%, drei mit 100%)

1.

Das partnerschaftliche Familienmodell fördert die Gleichstellung der Geschlechter nachhaltig

Das partnerschaftliche Familienmodell ergänzt die strukturverändernden Massnahmen zur beruflichen und rechtlichen Gleichstellung der Geschlechter im Bereich der Familienarbeit. Es kompensiert Benachteiligung nicht, sondern es hebt sie weitgehend auf: Frauen und Männer, die dieses Modell leben, haben in der Berufs- und Familienarbeit vergleichbare Aufgaben und Möglichkeiten. Die Wirkungen dieser Familienorganisationsform sind vielfältig und nachhaltig: Die Erfahrungswerte aus 6 Jahren HausMännerNetz sind natürlich keine Beweise, aber doch deutliche Indizien dafür.

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Das partnerschaftliche Familienmodell ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung

Frauen und Männer erhalten Gelegenheit, sich in rollenuntypischen Arbeitsfeldern zu bewegen und neuen, oft sehr unvertrauten Anforderungen gerechtzuwerden. Sie müssen sich immer wieder mit ihrem Selbstverständnis, ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen und in schwierigen Situationen oft neue Wege finden. Dadurch bleiben sie neugierig und entwicklungsfähig. Sie haben ausserdem die Chance, durch Erfahrungen in männlich und weiblich geprägten Lebenswelten zu ganzheitlichen Persönlichkeiten zu wachsen. Für ein gutes Selbstwertgefühl sehr wichtig ist auch, dass sich beide in der Berufswelt Anerkennung verschaffen und ihren Beitrag zur Finanzierung der Familie leisten können. Indiz: Von 24 Hausmännern ist bisher nur einer zur Vollzeit-Erwerbstätigkeit zurückgekehrt – aus beruflichen Gründen und mit grossem Widerwillen. Und umgekehrt: Von 24 Frauen sind 23 berufstätig.

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Das partnerschaftliche Familienmodell ist gut für die Paarbeziehung

Väter und Mütter teilen sich das Arbeitsfeld Familienarbeit. Das funktioniert nur, wenn sie sich gegenseitig informieren, Konflikte austragen und Entscheide gemeinsam treffen und umsetzen. Die Paarbeziehung muss also stattfinden (und sei es nur als Job-Sharing), und damit ist die Grundlage gelegt für eine langfristige gemeinsame Entwicklung. Wichtig ist auch, dass beide Teile die Belastungen und Möglichkeiten sowohl der Berufs- als auch der Familienarbeit aus eigener Erfahrung kennen, sich deshalb sehr gut in den Partner oder die Partnerin einfühlen und sinnvolle Unterstützung anbieten können. Indiz: Von 24 Paaren hat sich bis heute noch keines getrennt.

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Das partnerschaftliche Familienmodell ist gut für die Familie

Die Kinder erleben Männer und Frauen als fürsorglich und nahe. Sie akzeptieren beide Eltern und schenken beiden ihr Zutrauen. Diese Erfahrung stärkt das Selbstvertrauen der Hausmänner, den Berufsfrauen gibt sie die Sicherheit, die Kinder loslassen und sich der Berufstätigkeit zuwenden zu dürfen. In besonders belastenden Situationen (wenn z.B. ein Kleinkind monatelang nicht durchschläft) können die Eltern sich gegenseitig ablösen und so ihre Kräfte immer wieder regenerieren. Für die Kinder ist wichtig, dass sie mit beiden Geschlechtern konkrete Beziehungerfahrungen machen können. So stehen Buben wie Mädchen je nach Bedarf Männer und Frauen zur Identifikation oder Abgrenzung zur Verfügung.

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Das partnerschaftliche Familienmodell egalisiert die Berufschancen der Geschlechter

Für die Väter ist Familienarbeit in der Regel mit beruflichen Nachteilen verbunden: Verzicht auf einzelne Karriereschritte, Lohneinbussen, Stellen- oder sogar Berufswechsel müssen viele Hausmänner in Kauf nehmen. Das Angebot an Teilzeitstellen ist zudem in vielen Berufssparten sehr bescheiden. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass berufstätige Mütter sich schon immer mit solchen Einschränkungen abfinden mussten. Die Benachteiligung ist deshalb nur eine subjektive, genauso wie die Begünstigung der Berufsfrauen nur eine subjektive ist: Im Vergleich zu den beruflichen Möglichkeiten der Frau im traditionellen Familienmodell ist es sensationell, dass sie ihre Berufslaufbahn nie unterbrechen müssen, auf ihrem Ausbildungsniveau arbeiten können und sogar Karrierechancen haben. Objektiv gesehen ist das aber eine Selbstverständlichkeit – Gleichstellung eben. Indizien: Die grosse Mehrzahl der Berufsfrauen und Hausmänner ist in den Arbeitsfeldern Schule, Sozialarbeit und Krankenpflege berufstätig. Praktisch alle Männer haben schon mehrmals zugunsten von Familienarbeit bewusst auf berufliche Chancen verzichtet. Alle Frauen arbeiten mindestens auf dem Niveau ihrer Ausbildungsabschlüsse. Einige waren neben der Familienarbeit nicht nur berufstätig, sondern haben sogar weitere Zusatzausbildungen absolviert.

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Das partnerschaftliche Familienmodell ist gut für eine solidarische Arbeitspolitik

Im Gegensatz zu anderen Frauenförderungsmodellen geht es nicht darum, dass sich mit den Berufsfrauen noch mehr Leute um Arbeit streiten, sondern darum, dass Männer sich teilweise vom Arbeitsmarkt zurückziehen und dass damit Arbeit frei wird, die neu verteilt werden kann. Konsequent realisiert würden im Bereich Familenarbeit schliesslich mehr Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die erst noch gratis arbeiten, während im Bereich Berufsarbeit das Arbeits- und Lohnvolumen auch für die Menschen ausreichen könnte, die heute arbeitslos sind. Indiz: Einige Männer, die ihre Erwerbstätigkeit zugunsten von Familienarbeit reduzieren konnten, haben mit diesem Schritt zugleich die Schaffung einer zweiten Teilzeitstelle bewirkt.

2.

Die Unterstützung der Hausmänner trägt wesentlich zum Erfolg des partnerschaftlichen Familienmodelles bei

*

Begriffe

Um den Ansatz des Projektes HausMännerNetz Winterthur zu beschreiben, ist es notwendig, die zentralen Begriffe Familienarbeit und Hausmann zu definieren:

Familienarbeit ist die unbezahlte Arbeit zur Gründung, Erhaltung und Entwicklung einer generationenübergreifenden Lebensgemeinschaft. Sie umfasst insbesondere folgende Bereiche:

  • Kinderbetreuung (Körperpflege, Ernährung, Bekleidung, Krankenpflege, Erziehung, Förderung, Spiel, emotionale Unterstützung usw.)
  • Haushaltarbeiten (waschen, kochen, einkaufen, putzen, flicken usw.)
  • Selbst- und Partnerschaftspflege (Ernährung, Krankenpflege, Informationsaustausch, Anteilnahme, Erholung, Anregung, emotionale Unterstützung usw.)
  • administrative Arbeiten (Behördenkontakte, finanzielle Angelegenheiten, Terminverwaltung usw.)
  • Pflege von Alltagsbeziehungen (Nachbarschaft, Verwandtschaft, Schule, Kinderfreundschaften, Elterninitiativen usw.).

Es ist nicht möglich, den Begriff Hausmann mittels objektiver Kriterien eindeutig festzulegen, weil sich die Organisation von Familienarbeit sowohl zwischen verschiedenen Paaren als auch zu verschiedenen Zeitpunkten der einzelnen (Paar-)Biografien stark unterscheiden. Es lassen sich aber einige subjektive Kriterien formulieren: Wichtig ist:

  • dass sich die Männer massgeblich an allen Bereichen von Familienarbeit beteiligen,
  • dass sie mindestens in ähnlichem zeitlichem Umfang und mit vergleichbarer Verantwortlichkeit wie ihre Partnerinnen Familienarbeit leisten,
  • dass ihre Partnerinnen mindestens in ähnlichem zeitlichem Umfang und mit vergleichbaren Karrierechancen wie sie selber Berufsarbeit leisten und
  • dass sie Familienarbeit als einen zentralen, der Berufstätigkeit grundsätzlich gleichgestellten Lebensinhalt verstehen.

*

Ziele

Grundlegendes Ziel des HausMännerNetzes ist die nachhaltige Förderung des partnerschaftlichen Familienmodelles im Raum Winterthur durch die Unterstützung von Hausmännern. Dieses Globalziel lässt sich auf verschiedenen Ebenen differenzieren:

a

Individuelle Ebene: Hausmänner nehmen sich ernst und entwickeln sich weiter

  • Aufbau und Entwicklung eines positiven Selbstbildes als Hausmann
  • Aufbau und Erweiterung eines Repertoires an Krisenbewältigungsstrategien
  • Kontinuierliche Reflexion von Selbsterfahrungen mit Familienarbeit
  • Pflege von persönlichen Männerbeziehungen

b

Ebene der Familienbeziehungen:
Hausmänner pflegen Beziehungen

  • Sensibilisierung für verdeckte Rollenstereotype in Familienbeziehungen
  • Austausch und Entwicklung von Modellen für partnerschaftliche, gewaltfreie und offene Paar- und Kinderbeziehungen
  • Austausch und Diskussion von Problemen aus Paar- und Kinderbeziehungen
  • Diskussion von Fragen rund um Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Buben in partnerschaftlichen Familien

c

Ebene des Tätigkeitsfeldes Familienarbeit: Hausmänner leisten gute Familienarbeit

  • Vermittlung der Erfahrung, dass gemeinsame Familienarbeit unter Männern unbelasteter und sachbezogener erlebt wird als gemischt geschlechtliche Familienarbeit
  • Erweiterung der Handlungskompetenzen in Kinder- und Hausarbeit durch Einblick in die Familienarbeit anderer Hausmänner
  • Entwicklung und Pflege eines männerspezifischen Umganges mit Kindern und Hausarbeit
  • gegenseitige Hilfe bei der Überbrückung von Betreuungsengpässen

d

Ebene der gesellschaftlichen Wirkung: Hausmänner mischen sich ein

  • bewusste Verlagerung von Familienarbeit durch Hausmänner aus dem privaten in den öffentlichen Raum
  • Angebot von niederschwelligen Erstkontakten für neue Hausmänner
  • Präsenz in öffentlichen und privaten Informationsmedien zu einschlägigen Themen
  • Bildungsangebote für Väter und Knaben im Bereich Familienarbeit
  • Bezeichnung und Beseitigung strukturelle Hindernisse für Hausmänner
  • Beteiligung an der Gleichstellungsdebatte
  • Beteiligung an Forschungsprogrammen zu Gleichstellungsfragen

Die Zielebenen a – c haben eine höhere Priorität. Sie betreffen das «Kerngeschäft» des HausMännerNetzes: die Unterstützung der einzelnen Hausmänner in ihrer neuen Rolle. Die Ziele der Ebene d sind vorläufig noch sekundär. Sie können nur soweit verfolgt werden, als persönliche Interessen und Ressourcen vorhanden sind. Es ist wichtig, dass Hausmänner zuerst ihre Aufgabe in der Familie erfüllen, bevor sie ihre Kräfte in gesellschaftspolitische Aktivitäten investieren.

*

Struktur

Das HausMännerNetz Winterthur hat die Struktur eines Netzes: Es gibt keine organisatorischen Hierarchien. Die einzelnen Hausmänner bestimmen selber, welche Fäden sie aufnehmen und wieder ablegen. Die verschiedenen Aktionen entstehen und verschwinden zu nicht vorhersehbaren Zeiten und an nicht vorhersehbaren Orten. Das Ganze hat eher den Charakter eines Organismus als den einer Organisation. Das ist ein bewusster Entscheid: Das Netz soll in erster Linie Lebens- und Begegnungsraum für Hausmänner und ihre Kinder sein. Die Netzstruktur steht auch für das Ziel, als Hausmann nicht einfach die aus der Berufswelt vertrauten hierarchischen und analytischen Denkweisen auf die Familienarbeit zu übertragen, sondern analog zu den Erfordernissen der Kinderarbeit auch im Netz Erfahrungen zu sammeln im Umgang mit Unberechenbarkeit, Phantasie, Abhängigkeit, Spielraum, Verunsicherung, Eigenverantwortung und Lebenswundern.

Ganz ohne Organisation kommt das HausMännerNetz allerdings nicht aus. Damit es funktionieren kann, müssen seine Mitglieder voneinander wissen. Zu diesem Zweck wird eine Adressliste geführt und ständig auf dem neuesten Stand gehalten. Eine zweite lebenswichtige Funktion, die Erreichbarkeit für neu interessierte Hausmänner, wird durch den regelmässigen Mittagstisch und durch Präsenz in verschiedenen Informationsmitteln sichergestellt.

3.

Das Angebot des HausMännerNetzes hilft Vätern, langfristig, selbstverantwortlich und kompetent Familienarbeit zu leisten

Das HausMännerNetz ermöglicht verschiedene Aktionen, die auf jeweils unterschiedliche Art unterstützend wirken. Die hier aufgelisteten Effekte sind vor allem auf die Männer ausgerichtet. Wichtig ist, dabei im Auge zu behalten, dass jede gut funktionierende partnerschaftliche Familie die beruflichen Möglichkeiten der Partnerinnen grundlegend und nachhaltig verbessert. Hausmännerförderung ist zugleich Berufsfrauenförderung.

*

Adressliste

Die wichtigsten Aktion ist zugleich die unspektakulärste: Hausmänner leisten gemeinsame statt einsame Familienarbeit. Sie treffen sich zu zweit bei einem Vater zuhause und kochen zusammen das Mittagessen; sie verabreden sich auf dem Spielplatz; sie besuchen zu zweit das MuKi-Turnen; sie unternehmen einen Tagesausflug in den Wald; sie verbringen mit den Kindern einen Vormittag auf dem Markt; sie übernehmen für einander die Kinderbetreuung, wenn einer krank ist oder ein Termin wirklich nicht verschoben werden kann. Solche Aktionen sind nur möglich, wenn Hausmänner voneinander wissen. Das ist die zentrale Funktion der Adressliste. Es gibt sie seit
6 Jahren. Effekte:

  • Kinder erleben ihre Väter in Alltagssituationen als zuverlässige und fürsorgliche Bezugspersonen. Sie sind anwesend, sie stehen für tragfähige Beziehungen, für Identifikations- und Abgrenzungsprozesse zur Verfügung und müssen nicht durch phantasierte Helden ersetzt werden.
  • Kinder erleben die Situation, von einem Mann betreut zu werden, als normal, weil sie oft mit anderen Hausmännern zusammentreffen und auch bei ihnen gut aufgehoben sind. Genauso normal ist es für sie, dass ihre Mütter zur Arbeit gehen. Sie haben die Chance, auf der Basis von realen Erfahrungen ganzheitliche Rollenbilder aufzubauen.
  • Väter erleben sich gegenseitig im Umgang mit Kindern. Sie sehen, dass auch andere Väter an ihre Grenzen stossen, und finden Verständnis für ihre spezifischen Probleme. Sie gewinnen so einen eigenen Zugang zur Familienarbeit und werden unabhängiger von weiblichen Vorbildern.
  • Väter können auch Ausnahmesituationen (kranke Kinder, Terminkollisionen mit der Partnerin, Unterrichtsausfälle u. ä.) meistern, weil sie ein eigenes Unterstützungsnetz zur Verfügung haben.

*

Abend-Treffen

Eine Aktion für die Väter alleine ist das Abend-Treffen: Jeden Mittwoch Abend können sich Hausmänner ungestört unterhalten – über ihre Befindlichkeit, über Familienarbeit, über ihre Paarbeziehungen, über ihre berufliche Tätigkeit, über Tagesaktualitäten usw. In diesem Rahmen werden auch die Aktionen des HausMännerNetzes geplant. Wer hier ist, kann mitreden. Die Abend-Treffen finden seit 6 Jahren entweder in einem Restaurant oder bei einem Hausmann zuhause statt. Effekte:

  • Zur Praxis der Familienarbeit kommt die Reflexion: Erfahrungen können ausgetauscht und hinterfragt werden. In diesem Zusammenhang geschieht es oft, dass ein Problem, das der einzelne Vater als ein persönliches wahrgenommen hat, auch den anderen Hausmännern bekannt ist. So kann Rollenspezifisches von Individuellem unterschieden werden.
  • In persönlichen Gesprächen unter Männern entsteht eine Vertrautheit und Nähe, die für viele Männer bisher unbekannt war. Wichtig ist, dass dabei nicht die üblichen Männerthemen im Zentrum stehen: Weil von allen Hausmännern eine erhöhte Bereitschaft vorausgesetzt werden kann, über Gefühle, Unsicherheiten und Schwächen zu reden, sind immer wieder Gespräche möglich, die für wichtige Lebensfragen bedeutungsvoll sind. Die Erfahrung, dass Männer sich gegenseitig weiterbringen können, ist ganz zentral für ein eigenständiges Selbstbewusstsein als Hausmann.
  • Oft tut es nur schon gut, lustvoll und ungehemmt über die Frustrationen eines langen Familientages zu jammern oder einen einsamen Höhepunkt in der Niederungen des Alltags mit anderen zu bestaunen.
  • Wichtig ist auch das Thema Paarbeziehung: Was viele Frauen im Kreis ihrer Freundinnen mit grösster Selbstverständlichkeit tun, trauen sich Männer oft nur zögernd: Die Erfahrungen aus ihren Beziehungen mit anderen zu teilen und dabei für die Beziehung selber wichtige Impulse zu erhalten.

*

Mittagstisch

Der Mittagstisch im Mütter-Zentrum ist für alle Hausmänner offen. Seit 2 Jahren hilft er den Erstkontakt erleichtern. Er findet jeden ersten Freitag im Monat statt, wird in den Lokalzeitungen angekündigt und ist in der Regel sehr gut besucht. Eine Gruppe von Vätern übernimmt das Mittagessen, die übrigen haben Gelegenheit, zu plaudern und mit den Kindern zu spielen. Effekte:

  • In diesem Rahmen lässt sich sehr leicht vergessen, dass mann in dieser Rolle zu einer winzigen Minderheit gehört: Es sind ausschliesslich Männer und Kinder da, und es sind viele, so dass ein wohltuendes Gefühl des Aufgehobenseins entsteht.
  • Seit der Einführung des Mittagstisches stossen praktisch jedesmal neue Väter und Kinder dazu. Offenbar gibt es in Winterthur viele Hausmänner, die froh sind, aus ihrer Isolation heraustreten zu können. Das grosse Echo verweist auf ein grundlegendes Problem der Gleichstellungsbemühungen: Die Unsichtbarkeit der Familienarbeit.

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HausMännerFerien

Seit 6 Jahren fahren alle Väter und Kinder im Frühjahr in die HausMännerFerien (dieser Begriff ist eigentlich irreführend, denn mit Ferien hat diese Woche für die Väter nicht viel zu tun. Ferien – im Sinne von familienfreier Zeit – haben dagegen die Partnerinnen zuhause). Während einer Woche leben sie gemeinsam Lageralltag mit 20 – 30 Kinder zwischen 1 und 14 Jahren. Effekte:

  • Jeder Vater erlebt in dieser langen Zeit mit seinen Kindern Krisensituationen, in aller Regel erfährt er aber auch die Unterstützung durch die anderen. Das schafft ein grundsätzliches Vertrauen in die zwischenmenschlichen Fähigkeiten von Männern.
  • Viele kleine Kinder sind das erste Mal so lange Zeit von ihren Müttern getrennt. Auch für sie wird ganz konkret erlebbar, dass ihre Väter auf alle ihre Bedürfnisse angemessen reagieren können.
  • Die Partnerinnen kommen in den Genuss einer familienfreien Woche und können in dieser Zeit vielleicht einige ihrer immer wieder hinausgeschobenen Pläne verwirklichen. Solche Regenerationsphasen geben viel Kraft und helfen, Familienarbeit langfristig erträglich zu machen.
  • Lagerferien bieten auch Gelegenheit, eigene, männerspezifische Kindheitserfahrungen weiterzugeben – ganz ohne schlechtes Gewissen, weil ja die Väter nicht nur Seilbrücken bauen und Fussball spielen, sondern vor allem Schlaflieder singen und Toiletten putzen.
  • Es gibt genug Zeit und Gelegenheit, andere Väter besser kennenzulernen, neue Freundschaften anzuknüpfen und alte zu vertiefen.

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Kontaktangebot

Noch nicht konsequent ausgebaut ist das Kontaktangebot. In den Lokalmedien ist das HausMännerNetz durch die Veranstaltungshinweise auf den Mittagstisch präsent. Wichtig wäre ein Eintrag in jeder Adressliste, die Informationen zu Themen wie Familienarbeit, Kinderbetreuung oder Gleichstellung vermittelt. Ein weiterer Hauptkanal ist der direkte Kontakt mit neuen Hausmännern in Alltagssituationen (im Quartierladen, auf dem Spielplatz usw.). Dafür steht ein Handzettel mit einem knappen Profil des HausMännerNetzes zur Verfügung. Ständig erreichbar ist das Netz auch über eine eigene Homepage. Ein Anschluss an das Netz der Stadt Winterthur wäre hier sinnvoll. Schliesslich ist das HausMännerNetz gelegentlich Thema eines grösseren Medienbeitrages (bisher: SF DRS, Landbote, Stadtblatt, Tages Anzeiger, Meiers Modeblatt).

  • Über die regelmässigen Veranstaltungshinweise in der Tagespresse finden immer wieder neue Hausmänner Netzanschluss. Durch diese ständige Präsenz wissen viele Leute vom Projekt.
  • Der direkte Alltagskontakt ermöglicht es, neue Hausmänner im eigenen Quartier zu finden.

4.

Das HausMännerNetz kann in Zukunft noch mehr zur notwendigen Umverteilung von Familien- und Berufsarbeit beitragen

*

Perspektiven für das Netz

Im HausMännerNetz gibt es viele Bedürfnisse und Entwicklungsperspektiven. Vier wichtige sollen hier vorgestellt werden:

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Professionell begleitete Auseinandersetzung mit Kinderarbeit

Die Bedingungen der Persönlichkeitsentwicklung verändern sich grundsätzlich, wenn kleine Kinder auch oder ausschliesslich von Männern betreut werden. Ausserdem sind Männer durch ihre Sozialisation nicht auf die Betreuung von Kindern vorbereitet, und auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen ist für sie nicht gewährleistet. Deshalb möchten wir unsere Erfahrungen, Verhaltensmuster und Erklärungsversuche gerne mit Hilfe einer Fachperson in Erziehungs- und Entwicklungsfragen überprüfen und weiterentwickeln (z. B. im Rahmen einer monatlichen Supervision).

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Verbesserung der Projektinfrastruktur

Im Moment wird die Projektadministration in Nachteinsätzen, mit Geldzuschüssen der Mitglieder, über mehrere Privatadressen und in den verschiedensten Wohnzimmern abgewickelt. Wir würden gerne unsere Infrastruktur verbessern, z.B. durch ein eigenes Postfach, eine eigene Telefonnummer mit Beantworter, die Miete eines kleinen Raumes für administrative Arbeiten und Sitzungen oder sogar einige Stellenprozente für Sekretariatsarbeiten.

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Vermittlung der Hausmänner-Rolle in der Öffentlichkeit

Es gibt einige konkrete Ideen dazu, wie die Hausmänner-Rolle einem erweiterten Kreis von Männern und Buben nähergebracht werden könnte. Diskutiert werden z. B. Eltern bildungskurse (ev. als Ergänzung zu den Geburtsvorbereitungskursen der Hebammen) oder Berufsorientierungen in Oberstufen-Schulklassen.

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Gleichstellungspolitische Vorstösse

Konkret steht hier die Lösung des Militärdienst-Problems im Zentrum: Dienstpflichtige Hausmänner und ihre Partnerinnen stehen Jahr für Jahr vor ausserordentlich mühsamen organisatorischen Problemen.

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Gleichstellungspolitische Anliegen

Im HausMännerNetz werden konkrete Erfahrungen von Männern in partnerschaftlichen Familien gesammelt und diskutiert. Auf dieser Grundlage könnte sich allmählich eine fundierte und eigenständige männliche Perspektive zu Gleichstellungsfragen entwickeln. Wir sind überzeugt davon, dass eine solche Stimme die Debatte bereichern und intensivieren würde. Es gibt jetzt schon einzelne Forderungen, die wir von männlicher Seite zur Diskussion stellen möchten. Zwei davon sollen hier nochmals herausgestellt werden:

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Entkoppelung von ausserfamiliärer Betreuung und Gleichstellung

Die Vermischung dieser beiden Anliegen ist grundsätzlich problematisch: Wenn Mütter sich ihre Berufstätigkeit durch ausserfamiliäre Betreuung organisieren, werden dadurch vor allem die Väter entlastet. Die Forderung, sich an der Familienarbeit mitzubeteiligen, verliert an Dringlichkeit, und die Frauen handeln sich in aller Regel eine Doppelbelastung durch Berufstätigkeit und Feierabend-Familienarbeit ein.

  • Berufliche Frauenförderungsprojekte sollten der Frage, wie die Männer in die Familienarbeit eingebunden werden könnten, viel grösseres Gewicht geben, und zwar sowohl auf der konzeptionellen Ebene als auch in jedem konkreten Einzelfall.
  • Der Ausbau des familienergänzenden Betreuungsangebotes sollte dagegen mit anderen Argumenten begründet werden: Alleinerziehende Mütter und Väter sind auf solche Angebote dringend angewiesen, um selber sowohl Familien- als auch Berufsarbeit ausüben zu können. Auch Familien mit tiefem Einkommen müssen Zugang zu Betreuungsangeboten haben. Daneben gibt es gute pädagogische Gründe, Kinder nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch im Rahmen einer grösseren Gruppe aufwachsen zu lassen.

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Entkoppelung von Geschlecht und Gleichstellung

Gleichstellungsprojekte sollten nicht mehr auf berufliche Frauenförderung beschränkt werden. Es ist selbstverständlich, dass die Unterstützung von Frauen weiterhin im Zentrum aller Gleichstellungsbemühungen stehen muss. Daneben sollten aber auch die Männer, die eine partnerschaftliche Rollenteilung leben, wahrgenommen und unterstützt werden.

5.

Zusammenfassung

Das HausMännerNetz Winterthur bewirbt sich um den Gleichstellungspreis der Stadt Winterthur, weil es sich seit Jahren aktiv für die Umsetzung des partnerschaftlichen Familienmodells einsetzt und damit nachhaltig die Gleichstellung fördert.

Winterthur, den 6. März 1998








Das HausMännerNetz ist unter anderem erreichbar über:

Matthias Huber,

Breitestr. 73

8400 Winterthur

052 202 91 75

Kontaktperson für allgemeine Informationen


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Artikel in der
Winterthurer_Woche
vom 17.6.98 zum Gleichstellungspreis.

 

2003 hat die Stadt erneut einen Gleichstellungspreis ausgeschrieben. Das Hausmännernetz hat sich wieder darum beworben, da unsere Anliegen in der Zwischenzeit nichts an Aktualität und Notwendigkeit eingebüsst haben.

Gleichstellungspreis 03






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